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Veröffentlichung | 03.09.2020

Neues Institut in J√ľlich
Forschen am Treibstoff aus Sonnenlicht
Foto: Guido Jansen

J√úLICH Das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum erweitert seinen Standort in J√ľlich deutlich. Das neue Institut f√ľr Antriebsstoffe der Zukunft soll im Gewerbegebiet K√∂nigskamp entstehen. Dort wird bereits Solarforschung betrieben.

Das Deutsche Zentrum f√ľr Luft- und Raumfahrt (DLR) plant, seine Au√üenstelle in J√ľlich in den kommenden zwei Jahren deutlich zu erweitern. Das neu gegr√ľndete Institut f√ľr ‚ÄěFuture Fuels‚Äú (Treibstoffe der Zukunft) soll im Gewerbegebiet K√∂nigskamp angesiedelt werden in unmittelbarer N√§he zu den Gro√üforschungsanlagen, die das Institut f√ľr Solarforschung dort schon unterh√§lt: die gr√∂√üte k√ľnstliche Sonne der Welt und die zwei Solart√ľrme. Im Moment besteht das neue Institut aus rund 30 Mitarbeitern. Rund 100 Arbeitspl√§tze sollen laut dem kommissarischen Institutsleiter Christian Sattler in J√ľlich bis Ende 2022 zudem neu eingerichtet werden.

Die r√§umliche N√§he zum Institut f√ľr Solarforschung ist kein Zufall, sie basiert auf einer inhaltlichen und logistischen N√§he. Das Institut f√ľr ‚ÄěFuture Fuels‚Äú ist aus dem Solar-Institut hervorgegangen. Geplant ist, dass beide die Infrastruktur in J√ľlich nutzen. Bis 2022 soll in einem Neubau im J√ľlicher K√∂nigskamp Platz geschaffen werden f√ľr die DLR-Wissenschaftler und Mitarbeiter. Das Ziel des neuen Instituts ist kompliziert, Sattler bricht es aber auf eine einfache Formel herunter. ‚ÄěWir wollen aus Solarenergie Sprit machen‚Äú, sagt der Professor f√ľr Chemie.

Die Idee, ein neues DLR-Institut zu schaffen, das daran arbeitet, Treibstoff aus Sonnenschein zu gewinnen, war von Anfang an erw√§hnt im Papier der sogenannten Braunkohlekommission. Die hat den Ausstieg aus der Braunkohle und die deswegen notwendige finanzielle Unterst√ľtzung der Braunkohlereviere in Deutschland diskutiert und eine Empfehlung an die Bundesregierung abgegeben. Das Braunkohleausstiegsgesetz und das Strukturst√§rkungsgesetz sind verabschiedet, die finanzielle Unterst√ľtzung von knapp 15 Milliarden Euro bis 2038 f√ľr das Rheinische Revier ist beschlossene Sache.

Wie hoch das Budget f√ľr das neue Institut sein wird, kann Sattler noch nicht sagen. Die Finanzierung sei Sache des Bundeswirtschaftsministeriums und des Landes. ‚ÄěEs gibt noch keinen F√∂rderbescheid‚Äú, fasst Sattler den Sachstand zusammen. Absehbar sei, dass das Institut 120 bis 150 Mitarbeiter stark sein soll.

Als Standort sei eigentlich nur ein Ort in Frage gekommen: Der J√ľlicher DLR-Standort m√ľsse ausgebaut werden, erkl√§rt Sattler, weil das vorhandene Personal kaum noch damit hinterherkomme, die Anfragen aus der Industrie zu bew√§ltigen. Das DLR geh√∂rt genau wie das Forschungszentrum J√ľlich (FZJ) der Helmholtz-Gemeinschaft an, spielt dort aber eine Sonderrolle. Es soll eng mit der Industrie zusammenarbeiten und so rund die H√§lfte seiner Finanzierung sicherstellen. Beim FZJ spielen diese sogenannten Drittmittel eine untergeordnete Rolle. Deswegen haben Unternehmen die M√∂glichkeit, die k√ľnstliche Sonne oder die zwei Solart√ľrme f√ľr eigene Zwecke zu nutzen.

Sattler bezeichnet auch die N√§he zum FZJ, das weniger als einen Kilometer entfernt liegt, zur RWTH Aachen und zur FH Aachen als ideal. Mit dem FZJ im Mittelpunkt soll in einem milliardenschweren Strukturwandel-Projekt ein Wasserstoff-Cluster aufgebaut werden, das L√∂sungen erforschen und bis zur Serienreife entwickeln soll, wie die Menschheit in Zukunft emissionsfrei hergestellten Wasserstoff als Energiespeicher nutzen kann. Das Institut f√ľr ‚ÄěFuture Fuels‚Äú ist ein eigenst√§ndiges Strukturwandel-Projekt. ‚ÄěAber wir tragen auch zu dem Wasserstoffcluster bei‚Äú, sagt Sattler.

Beispielsweise beim Erzeugen von Wasserstoff, der entsteht, wenn Wasser gespalten wird in Sauerstoff und Wasserstoff. Das Cluster rund um das FZJ will das mit Elektrolyse erreichen, einem chemischen Verfahren, bei dem Strom investiert werden muss, um die Spaltung zu erreichen. ‚ÄěFuture Fuels‚Äú besch√§ftigt sich damit, Wasser mit Sonnenenergie zu spalten. Bringt man beide Verfahren zusammen, hei√üt das Hochtemperatur-Elektrolyse. Im Verbund sollen die Wissenschaftler erforschen, ob das m√∂glicherweise der effizienteste Weg ist, Wasserstoff zu gewinnen. √úber allem steht die gemeinsame Aufgabe, dass die Wasserstoffproduktion mit Energie funktioniert, die ohne Kohle oder Erdgas erzeugt worden ist. Das w√§re dann der sogenannte gr√ľne Wasserstoff.

VON GUIDO JANSEN Redakteur AZ/AN



https://www.aachener-zeitung.de/nrw-region/forschen-am-treibstoff-aus-sonnenlicht_aid-53133937





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